Deutschlands Mobilfunk im Härtetest: ICE bleibt Problemzone
von Jule Pinno
Wer 2025 im ICE auf gutes Mobilfunknetz hofft, braucht weiterhin starke Nerven. Die aktuellen Messungen von CHIP und NET CHECK zeigen: In keinem anderen Testszenario treten so häufig Verbindungsfehler, unverständliche Telefonate und Einbrüche bei den Datenraten auf wie im Fernzug. Und das unabhängig vom Netzbetreiber.
Netze halten Schritt – mit einem klaren Gewinner
Abseits der Fernzüge ergibt sich ein deutlich positiveres Bild. Der diesjährige Mobilfunk-Test basiert auf Milliarden Crowdsourcing-Datensätzen sowie umfangreichen Fahr- und Fußmessungen, die die Messteams über tausende Kilometer durch ganz Deutschland geführt haben. Das Ergebnis: Die Telekom verteidigt ihre Spitzenposition und erreicht erstmals das Gesamturteil „exzellent“. Vodafone und O2 folgen mit starken Leistungen. Seit Jahren steigt der mobile Datenkonsum rasant, und damit auch die Anforderungen an die Netze. Dennoch halten die Testergebnisse eine gute Nachricht bereit: Websurfen, Telefonie und Videostreaming funktionieren im Alltag nahezu überall zuverlässig.
Neues Kapitel: 1&1 tritt als vierter Netzbetreiber an
Eine Besonderheit des aktuellen Netztests ist der fortschreitende Markteintritt von 1&1. Dessen eigenes Netz wurde noch nicht bewertet, da zentrale technische Umstellungen kurz bevorstehen. Dennoch zeigt sich bereits eine spürbare Veränderung im Markt:
- O2 profitiert vom Wegfall des Roaming-Volumens durch 1&1 und kann sich stärker verbessern als die Konkurrenz. Erstmals in den 16 Jahren des CHIP-Netztests erreicht der Netzbetreiber die Gesamtnote „sehr gut“!
- Vodafone trägt zwar zusätzliche Last durch über 11 Millionen 1&1-Kunden, die das Netz per National Roaming nutzen, kann dies jedoch gut kompensieren und zeigt sogar eine leichte Steigerung, sodass Vodafone klar auf Platz 2 bleibt.
- Telekom baut ihre Führung weiter aus und erreicht in allen Testkategorien erstmals mindestens die Note 1,2, womit sie die Kriterien für die „exzellent“-Auszeichnung erfüllt.
Trotz Kooperation: Mobilfunk im Zug weiter problematisch
Trotz aller Ausbaubemühungen von Telekom, Vodafone, O2 und Deutscher Bahn bleibt ein klarer Schwachpunkt: Mobilfunk in Fernzügen. Die Messungen zeigen weiterhin Defizite bei Sprachqualität, Datenübertragung und Downloadraten.
Seit vier Jahren arbeiten Netzbetreiber öffentlichkeitswirksam mit der Deutschen Bahn zusammen – doch die Mobilfunkversorgung in deutschen Zügen bleibt deutlich schlechter als in Österreich oder der Schweiz. Fortschritte entlang der Strecken sind messbar, kommen bei den Fahrgästen aber kaum an, was oftmals auch an den Zügen und nicht an den Netzen liegt. Das gemeinsame Ziel von Telekom und Deutscher Bahn, bis 2026 auf allen Strecken durchgehend telefonieren und surfen zu können, ist nach wie vor weit entfernt.“
Stadt vs. Land: Das Gefälle bleibt
Während in Städten hohe Datenraten längst zum Standard gehören, zeigt sich auf dem Land weiterhin ein deutlicher Abstand. Die Erfolgsquoten für schnelle Downloads liegen dort über alle Netze hinweg deutlich unter dem städtischen Niveau. Highspeed jenseits von 100 MBit/s bleibt in ländlichen Regionen die Ausnahme. Die Herausforderungen sind beträchtlich: Die Vorgaben der Bundesnetzagentur verlangen bis 2029 und 2030 Mindestversorgungen, die deutlich über dem heutigen Stand liegen.
Alle Ergebnisse im Detail
Sämtliche Messergebnisse, regionale Auswertungen und Detailanalysen finden Sie hier auf
CHIP.de: chip.de/netztest





